by RA Dr. Christian Adam

Längst im Ruhestand befindliche Taxilenker erinnern sich vielleicht noch an die Diskussion im Taxigewerbe, ob ein Taxi das Beförderungsmittel nur für Wohlbetuchte darstellen oder aber der Beförderung einer „breiten Öffentlichkeit“ dienen soll. Vielleicht erinnert sich noch jemand an jenen Taxilenker, der mit Kappe, Krawatte und weißem Staubmantel bekleidet am Salzburger Hauptbahnhof auf Fahrgäste wartete. Oder an jenen Taxilenker, welcher sein Taxi regelmäßig nach jeder Fahrt sogar mit einem Staubwedel pflegte, um das Taxi für jeden weiteren Auftrag wie neu aussehen zu lassen. Das Ergebnis der Diskussion ist bekannt und braucht nicht kommentiert werden.

In Teilen Asiens, insbesondere in so genannten „Dritte-Welt-Ländern“ kann die Anmietung eines Taxis zum (nervlichen wie finanziellen) Problem werden. Insbesondere dann, wenn etwa „Privatpersonen“ eine Taxifahrt anbieten oder wenn der Lenker eines „echten Taxis“ den Auftrag nur zu einem eklatant überhöhten Fahrpreis ausführen will. Auch der Einbau von Taxametern in manche Taxis war kein Allheilmittel, als die Taxilenker vor Annahme des Fahrtauftrages nun über den prozentuellen Aufschlag auf den vom Taxameter ausgewiesenen Fahrpreis diskutieren. Nur wenn dieser den Vorstellungen entspricht, wird der Auftrag ausgeführt.

Wohltuend dagegen ist eine Taxifahrt in Japan. Sämtliche Taxifahrzeuge sind nicht nur äußerlich bestens gepflegt, sondern auch im Innenraum mit sauberen, weißen Tüchern ausgelegt. Jeder Taxilenker trägt einen dunkelblauen oder schwarzen Anzug und vornehmlich Krawatte, selten auch Fliege. Weibliche Taxilenker sind eine Rarität. Schon beim Einsteigen wird der Dienstleistungscharakter betont, indem der Fahrgast die Tür nicht zu öffnen braucht. Vielmehr wird vom Taxilenker die Türöffnungsautomatik für die linke hintere Tür betätigt (in Japan herrscht Linksverkehr). Schade nur, dass nahezu kein Taxilenker der englischen Sprache mächtig ist, sodass keine Kommunikation stattfinden kann. Sollte also einem Taxilenker das Fahrtziel nicht bekannt sein oder nicht richtig (auf Japanisch) benannt oder mittels Unterlage in japanischer Schrift gezeigt werden können, so bemüht sich der Taxilenker, das Ziel mittels GPS zu ermitteln. Nicht allerdings nach der Anschrift, sondern nach der Telefonnummer (Zahlen werden in Japan in der auch bei uns gebräuchlichen arabischen Schrift geschrieben). Mit Eingabe der Telefonnummer erscheint nicht nur (für den Fahrgast somit überprüfbar) das Fahrtziel, sondern auch die Fahrtstrecke auf dem Bordcomputer.

Taxifahren in Japan ist kein billiges Vergnügen. Schon die Grundgebühr beträgt in Städten wie Tokio oder Osaka nach derzeitigem Kurs umgerechnet um die sechs Euro, doch auch die Strecken- und Zeitgebühr ist nicht ohne. Am Fahrtziel angelangt, gibt der Taxilenker wie selbstverständlich auf den Fahrpreis laut Taxameter heraus, Trinkgeld ist in Japan nämlich verpönt. Der Versuch Trinkgeld zu geben, würde einen japanischen Taxilenker mehr als beleidigen. Schließlich ist es in Japan selbstverständlich, (nicht nur im Taxigewerbe) Dienstleitung auf höchstem Niveau zu erbringen!

Gerade bei weiteren Fahrten in riesigen Städten wie Tokio kann der Fahrpreis „richtig ins Geld gehen“. Es kursieren daher Gerüchte, dass die Jugend nach dem wochenendlichen Nachtvergnügen lieber in einem „Kapselhotel“ übernachtet, als ein Taxi für die Heimfahrt anzumieten, da die Hotelkosten erheblich billiger sind als eine etwas weitere Taxifahrt.

Dr. Christian Adam
Rechtsanwalt in Salzburg